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„Hansa“: Weltweit älteste Schifffahrtszeitschrift feiert 150-jähriges Bestehen

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Edgar S. Hasse
Quelle: Welt am Sonntag, 23.02.2014

In dem „Prospect“ vom 3. Januar 1864 verkündete eine neue Zeitschrift ihr publizistisches Ziel: „Förderung alles dessen, was zur Hebung des deutschen Seewesens beitragen kann“, stand im Editorial. Bis heute informiert das Branchenmagazin „Hansa“ auf Papier und digital über aktuelle Entwicklungen auf den Gebieten Schifffahrt, Schiffbau, Logistik, Häfen und Wasserstraßen. 2014 jährt sich das Bestehen der ältesten noch existierenden Schifffahrtszeitschrift der Welt zum 150. Mal. Kürzlich feierte die Tamm Media GmbH, in der die Publikation erscheint, das Jubiläum mit einer Festveranstaltung im Internationalen Maritimen Museum. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) würdigte Deutschlands älteste Fachzeitschrift dabei so: „Sie ist das Sprachrohr der gesamten deutschen maritimen Branche und hat in 150 Jahren viele Hochs und Tiefs der Schifffahrt erlebt.“

Die Vorsteher der deutschen Seemannschule in Hamburg, Gerad Schuirmann und Georg Thaulow, hatten das renommierte Blatt im Jahr 1864 als „Zeitschrift für deutsches Seewesen“ gegründet und knüpften mit dem Titel „Hansa“ an das historische Erbe des mittelalterlichen Handelsbündnisses an. Dem Geist der damaligen Zeit entsprechend, schlugen die beiden früheren Offiziere der Reichsflotte zuweilen nationale Töne in ihren Editorials an: „Es ist ein gefühlter Mangel, dass Deutschland, bei der Bedeutung seines Seehandels und der großen Zahl seiner alle Gewässer der Erde befahrenden Schiffe, nicht eine einzige nautische Zeitschrift aufweisen kann.“

Seit ihrem Bestehen hat die „Hansa“ nach Angaben der Tamm Media GmbH eine wichtige Rolle in der Pionierzeit der deutschen Schifffahrt gepielt – etwa bei der Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Jahr 1865, des Germanischen Lloyds 1867 sowie bei der Entstehung des Deutschen Nautischen Vereins (1868).

Noch heute ist die von Chefredakteur Niko Späth geleitete Fachzeitschrift „Hansa“ mit Sitz am Georgsplatz das offizielle Mitteilungsblatt der deutschen Nautiker. Wie genau die wechselvolle Geschichte dieser Zeitschrift verlief, hat jetzt der Historiker und Publizist Sverre Gutschmidt im Auftrag des Verlags genauer untersucht. Die erste Redaktionsadresse, berichtet er, lag in „Hommer’s Hotel, Hahntrapp No. 6“. Diese Straße, einst auch Hahnentwiete genannt, liegt noch heute in der Altstadt nahe der vom Krieg zerstörten Nikolaikirche. Zu den ersten Höhepunkten der Zeitschriftengeschichte zählte die 1870 veröffentlichte Beilage über die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die aufwendig unter dem Motto „Gott segne das Rettungswerk“ illustriert war. Später gab die „Hansa“ das Signal für die Gründung des Deutschen Nautischen Vereins.

Der provisorische Vorstand „dieser jungen Gesellschaft“ plane eine „constituierende Versammlung“ für den April, hieß es in der Ausgabe vom 1. März 1868. Daneben stand die Meldung mit einer Einladung ins „Hotel de Hambourg“. Diese Nachricht, so der Historiker Gutschmidt, „ebnete einer weiteren bahnrechenden Vereinsgeschichte den Weg“. Noch heute stellt der Deutsche Nautische Verein von 1868 als Dachverband der 20 regionalen Vereine mit rund 4000 Mitgliedern die Seeschifffahrt und maritime Wirtschaft in Deutschland erfolgreich in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten.

Während der 25. Jahrgang des Journals 1888 mit unterhaltsamen Berichten über „Die Tauchkunst“, die Kaiserliche Marine sowie den „Bau von Fischereihäfen am Norddeich und auf Nordernei“ glänzte, konnten die Experten Jahrzehnte später ihr Entsetzen über die Folgen des Ersten Weltkrieges kaum in Worte fassen. „Das furchtbarste Jahr deutscher Geschichte liegt hinter uns“, heißt es zum Beispiel in der Ausgabe vom 3. Januar 1920. Bald sollte die nächste deutsche Katastrophe folgen – die „Machtergreifung“. Grußbotschaften der NS-Funktionäre prägten häufig die Postille. Propaganda-Minister Joseph Goebbels lobt die „Hansa“ als „Mittler zwischen Deutschland und der Welt“.

Die erste Nachkriegsausgabe am 1. Mai 1948 machte eine verheerende Bestandsaufnahme: „Von einem Tonnagebestand von etwa 4.000.000 BRT vor Ausbruch des Krieges sind der deutschen Handelsflotte in den Westzonen nur 422 kleine Küstenmotorschiffe und Dampfer mit etwa 117.000 BRT verblieben.“

Zu berichten gab es in den Folgejahren des Wirtschaftswunders viel. Unterdessen steuerte das Journal selbst in neue Hoheitsgewässer: In den 80er-Jahren erwarb der langjährige Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlages, Professor Peter Tamm, gemeinsam mit Partnern diese traditionsreiche Zeitschrift. Sie wird heute von Peter Tamm jun. unter dem Dach der Gesellschaft Tamm Media geführt.

Noch heute stellt die „Hansa“ in jeder monatlichen Ausgabe die wichtigsten Entwicklungen auf den Schiffsmärkten vor. Regelmäßig werden Teile des Heftes sogar auf Englisch publiziert. Die Auflage liegt bei rund 7200 Exemplaren. Dazu kommt ein aktueller Online-Auftritt. Dass diese Zeitschrift die Zeiten überstanden hat, sei nicht zuletzt ein Verdienst von Peter Tamm, sagt Bürgermeister Olaf Scholz. „Er hat viel für den Medien- und Schifffahrtsplatz Hamburg geleistet.“